Reden wir in der ersten Folge unserer Goethe-Reihe über Namen. Unser Held heißt Johann Wolfgang Goethe, nicht: Johann Wolfgang »von« Goethe. Gegenüber Eckermann kommentierte Goethe seine Nobilitierung im Jahre 1782 mit den Worten: »Als man mir das Adelsdiplom gab, glaubten Viele, wie ich mich dadurch möchte erhoben fühlen. Allein, unter uns, es war mir nichts, gar nichts! Wir Frankfurter Patrizier hielten uns immer dem Adel gleich, und als ich das Diplom in Händen hielt, hatte ich in meinen Gedanken eben nichts weiter, als was ich längst besessen.« Goethe kam als Bürgersohn in der Alten Reichsstadt Frankfurt auf die Welt. Jeder, der das Goethehaus Am Hirschgraben 23–25 besucht, kann Goethes Reaktion verstehen. Der Adelstitel war für ihn privat als Standeserhebung ohne Bedeutung, sondern ermöglichte ihm lediglich einen freieren Zugang zum Weimarer Hof und zu seinem Herzog Carl August.
Goethe wurde zu einer Leitfigur des deutschen Bürgertums im späten 19. Jahrhundert und nur aufgrund seiner sozialen Botschaft war Goethe der Prototyp »eines Bürgers vom Adel«. Und weil niemand über Goethe reden kann, ohne das S-Wort zu benutzen, sprich »Schiller« ins Spiel zu bringen, folgt ein weiterer Grund, Goethe nur bei seinem Geburtsnamen zu nennen und auf das »von« zu verzichten: Auch Friedrich Schiller erhielt den Adelsbrief aus Wien und durfte sich Friedrich »von« Schiller nennen, was dem Marbacher und seiner Frau Charlotte von Lengefeld – im Gegensatz zu Goethe – etwas bedeutete: Charlotte hatte nämlich nach ihrer Heirat das »von« aufgeben müssen und konnte seitdem nicht mehr ohne offizielle Einladung bei Hof erscheinen. Das änderte sich 1802.
Man zeige mir ein Buchcover, auf dem als Autor Friedrich von Schiller gepriesen wird. Übrigens: auch der andere Weimarer Klassiker, Johann Gottfried Herder verzichteten auf das »von«.
Abbildung: In der Küche des Hauses »zu den drei Leiern« hängen die Backformen bereit. Falls kein Brot mehr im Hause war, aßen die Frankfurter Patrizier Kuchen.